Aus Neerdars Vergangenheit (Auszug aus der
Festschrift 1994)
Unser Dorf dürfte eine sehr alte Ansiedlung sein, auch wenn wir urkundlich erst
1244 etwas von ihr hören. Allein schon die Kirche aus der Zeit des "Runden
Bogens", deren Bauzeit ebenfalls in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts
fällt, ist Beweis genug für die Existenz eines Dorfes, in dem sich die
Erbauung eines Gotteshauses lohnte. Doch denken wir an die "Germania"
des Römischen Schriftstellers Tacitus, die erste Beschreibung Deutschlands aus
der Zeit um 60 nach Christi Geburt; aus diesem Werk erfahren wir, das unser
heutiges Waldeck damals als Hauptsächlich von Catten und Nertereoanern bewohnt
war. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist uns in dem Ortsnamen Neerdar die
Germanische Bezeichnung der Nertereanoer erhalten geblieben. Deshalb ist es nicht
übertrieben, zu behaupten, in Neerdar eine der ältesten Siedlungen unserer
Heimat vor uns zu haben, obwohl wir erst im frühen Mittelalter wieder Näheres
über unser Dorf hören.
Da in den vergangenen Jahrhunderten unser Upland von noch längeren und
kälteren Wintern als heute heimgesucht wurde, ist es auch zu verstehen, dass
die Dorfkirche dem Eisheiligen Pankratius geweiht wurde. Ob es sich bei dem
kleinen, aus Sandstein gehauenen und die Zunge herausstreckenden Kopf, der über
der Kirchentür hängt, um ein
Bildnis des Heiligen oder um einen sog. Schreckenskopf - Böses Abwehrend -
handelt, wissen wir nicht. Aber die älteste Glocke im Kirchturm trägt neben
der Jahreszahl in Gotischen Buchstaben seinen Namen: "Sanctus pankratius is
mi name, min gelut is gode vol bekant, ik rope de lebendigen do kerken".
Rund 800 Jahre hat das Gotteshaus Freud und Leid mit den Neerdarern
geteilt.
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