Schützenfest im Festzelt mit Life-Musik am Sa./So den 25./26. Juni 2011

 
Magerer Lohn und ein baufälliges Schulhaus

Aus dem Leben des Neerdarer Schulmeisters Geldmacher

Bis 1872 hielt er es hier aus, dann ging er nach Ober – Waroldern.                                           Ob es da für einen Schulmeister, auch noch mit dem beziehungsreichen Namen Geldmacher, besser war als im Vorupland Dörfchen Neerdar ?

Baren Lohn erhielt er nicht. Dafür aber wenig mehr als 3 Morgen Land, drei kümmerliche Wiesen und einen Garten am Haus, Einkünfte über die Kirchenkasse für das Stellen und Warten der Kirchenuhr, Schmieren der Glockenbügel, das Waschen der Kirchentücher und fürs Glockenläuten. Dazu kamen noch ein paar Silbergroschen bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen.

“ Von  jedem Wohnhause müssen jährlich zwei Brote geliefert werden“; die Neerdarer erledigten das aber lieber in Form von Geld. Das brachte sieben Taler und 20 Silbergroschen. Holz und „freies Laub“ für Lehrers Rindvieh – der Stall bot Platz für zwei Kühe – gab es auf dem Staatswald kostenlos. Auch Lehrers Schweine durften die Hute mitbenutzen.

Die Neerdarer Schule war einklassig. Alle Schulkinder wurden in einem Raum unterrichtet, oft zu gleicher Zeit. Heute würde man zu solchen Einrichtungen „Zwergschule“  sagen. Doch ganz so zwerghaft wie mit nur sechs Schülern im benachbarten Welleringhausen ging es bei Herrn Geldmachern nicht zu. 

Anno 1856 registriert er immerhin 25 schulpflichtige Nachwuchs - Neerdarer(innen).

Rosine schien der beliebteste Mädchenname zu sein. Bei den Jungen dominierte Christians. Einklassig = erstklassig , die etwas eigenartige Gleichung ging hier auf: Für Fleiß vergab der Schulmeister nur einmal als schlechteste Zensur „ziemlich mittelmäßig“, während die übrigen 24 mit ziemlich gut, gut, recht gut und überwiegend sehr gut bedacht wurden. Die Betragensnoten lagen in gleicher Richtung; nur einmal das Prädikat  „Nicht zu Loben“, wiederum für die ziemlich mittelmäßige. Solches Ergebnis spricht sich wohl für die Elternhäuser, die „lieben Kleinen“ und ihren Lehrer. Vor allem, wenn man bedenkt, durch welche Unterrichtsmaterialien, so sagt man heute, des Lehrers pädagogisches Geschick unterstützt wurde. Das allerheiligste der Schulstube, der Schrank, barg die Hilfsmittel: Neben einer unbrauchbaren Karte der beide Erdhalbkugeln zwei gut erhaltene Karten von Deutschland und dem Fürstentum Waldeck, ein Rechenbuch, ein „Lesebuch“ für den Bürger und Landmann“, zwei Büchlein zur „Beförderung zur Obstbaumzucht“, eine Verordnung über den Scheintod und zwei Schulgesetzte, vor allem das wichtige  von 1846, das den Versuch unternahm, das Waldeckische Schulwesen auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen.

Strohgedeckt schaute Neerdars Schulhaus von einem Hang neben der Kirche hinunter zur Dorfstraße. Eine „in üblen Umständen befindliche Treppe“ mussten die Schulkinder und Lehrerfamilien überwinden, um durch einen Eingang in Schulstube und Wohnung zu kommen. Der mit Steinen „geprägte“

Flur war das Zentrum des kleinen Fachwerkhauses und gleichzeitig Küche mit gemauertem Herd, Brautopf und Hängehol. Die Flur- Küche  oder der Küchenflur war auch Vorraum für Schulzimmer, Scheune, Keller und über schmale, steile Stiege Aufstiegsmöglichkeit zur Wohnstube unterm „Dachjuchhe“, an die sich die einzige Schlafkammer des Hauses anschloss.

„Der Wohnzimmerofen ist klein und zum Gebrauch für eine Familie gänzlich ungeeignet, besonders darum, weil in Ermangelung einer Küche und eines brauchbaren Herdes dieser fortwährend zum kochen benutzt werden muss“, klagt der schulamtliche Hausherr, Die Speisekammer konnte übrigens nur durch den Kuhstall erreicht werden! Schließlich weist Lehrer Geldmacher in seinem Neerdarer Schul – Inventarium auf „ein Gemach mit gebrechlichen Schiebefenstern“ hin, „welches früher als Schulstube, jetzt aber als Rumpelkammer benutzt wird“.

Kein Wunder also, dass sich Lehrer Geldmacher, der jahrzehntelang in dem nicht gerade mit Reichtümern gesegneten Voruplanddörfchen gewirkt hatte, in späteren Jahren noch nach einer anderen stelle umsah, in der er sich besseren Lohn und ein besseres Haus erhoffte. 

Konsequenz : 1878 entschließt sich die Gemeindevertretung  zu einem Neubau.

Die Zeiten sind lange vorbei, in denen sich die Neerdarer Kinder über eine „in üblen Umständen befindliche Treppe“ in die Schulstube begeben mussten. Seit vielen Jahren hat das Dorf keine Schule mehr. Mittelpunkt ist der Platz neben der ehrwürdigen Kirche aber doch geblieben: Hier wurde das Dorfgemeinschaftshaus errichtet.   

 

Christian Wilhelmi mit Dienstmütze und Schelle als  Ortsdiener bei der Verlesung einer nicht sonderlich wichtigen Bekanntmachung, denn sonst würde Friedrich Kiel nicht so grinsen.                          Links und rechts mit Fahrrädern Wolfgang Steuber und Peter Fischer vor der ehemaligen Schule Aufnahme von 1972 





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